Mit Social Media umgehen zu können ist wie mit Stäbchen Suppe zu essen
Oft frage ich mich, ob es wirklich Branchen oder Firmen gibt, die Social Media resistent sind. Meiner Erfahrung nach, bzw. gefühlt bin ich der Ansicht, dass deutsche Firmen derzeit ein bisschen unter Druck stehen, die so sehr angepriesenen Tools wie Twitter und Facebook für ihre eigenen Belange einzusetzen. Damit man noch "hinterher" kommt. Nichts verpasst. Nicht aus dem Markt gedrängt wird von all den anderen Unternehmen, die erfolgreich Social Media einsetzen. Für mich ist Social Media wie mit Stäbchen zu essen: Nur, weil du das Werkzeug dafür in der Hand hälst, heißt das noch lange nicht, dass du es auch verwenden kannst. Im schlimmsten Fall verhungerst du vor der eigenen Suppe. Und ich habe den Eindruck, dass genau diese Befürchtungen viele Unternehmensverwantwortliche derzeit haben.
Dabei gibt es teilweise Firmen oder Branchen, die ganz gut mit dem "Werkzeug" Social Media zurecht kommen. Wie ist das möglich? Meine Gedanken kreisen darum, dass es zwei unterschiedliche Typen von Unternehmen geben muss: Einmal die Unternehmen der Enterpreneure und dann solche die vom Typus der Business-Administration also der "Verwaltungs-Unternehmen" sind. Überraschenderweise gibt es für Entrepreneurship, ich will mal sagen, dem (künstlerischen) Design eines innovativen Unternehmens gar keinen deutschen Ausdruck (Zufall?). Meiner Meinung nach sind typische Verwaltungs-Unternehmen Banken und Versicherungen. Und typische Enterpreneur-Unternehmen sind z.B. Skype, Amazon oder auch recht junge Unternehmen wie DaWanda, also Medien-Gesellschaften und auch solche, die ihre Ideen auf der Basis geschaffen haben Menschen zu helfen Geld zu verdienen und sich zu verwirklichen. Man kann berechtigter Weise sagen, dass zweiterer Typ wie geschaffen für Social Media ist aber ersteres? Kann ein auf Verwaltung aufgebautes Konzept "social-media-fähig" sein? Der Vorteil junger Unternehmen ist, dass sie gleich mit den Möglichkeiten des Social Webs "aufwachsen". Sie können Social Media von vornherein in die Planung mit einbeziehen, der Enterpreneur kann sogar die gesamte Firma danach ausrichten bzw. zum Start eine geeignete Strategie ausarbeiten. Und das ohne daran denken zu müssen, eine Geschäftsführung zu überzeugen, das Marketing oder die IT damit zu beauftragen oder als Mitarbeiter womöglich das Risiko einzugehen als Buhmann der Nation dazustehen (wenn es nicht funktioniert). Nein, junge Unternehmen tun´s einfach. Das ist auch einer der Gründe, weshalb ich meine, dass sie den "alten" einiges vorraus haben: Sie sind oft fitter und flexibler in der Ausrichtung ihrer Social Media Strategie am Markt. Sie wissen von vornherein, was geschaffen werden muss um den Anforderungen einer offenen Kundenkommunikation gerecht zu werden. Sie sind es einfach: Offen, kommunikativ und nicht kontaktscheu. Und, sie sind meist gut vernetzt und zwar dort, wo es immer wichtiger ist vernetzt zu sein: Im Social Web. Diesen Vorteil möchten "Verwaltungs-Unternehmen" natürlich gerne nutzen. Diese sind es auch, die sich mit der Frage konfrontiert sehen: "Kann ich es mir heute überhaupt noch leisten kein Social Media einzusetzen?" Unter diesem Druck wird dann mal eben der Marketingabteilung der Auftrag erteilt einen Twitter- und Facebook-Account anzulegen vielleicht sogar auch ein Weblog. Ja aber und dann? Dann sind viele ratlos, denn dann haben wir, wie ich es gerne nennen möchte, das Essstäbchen-Problem: Werkzeug ist da aber wie kann ich damit meine Suppe essen? So einfach es ist sich schnell mal ein paar Accounts zuzulegen, so schwierig ist es auch den richtigen Inhalt zu finden. Eine Lösung wäre natürlich hübsche Werbeposts rauszusenden, weswegen jedoch ganz gewiss keiner das Weblog oder den Twitter-Account abonnieren wird. Privat werden? Bloß nicht! Immerhin ist das hier ein professionelles Unternehmen und nicht der Biergarten. Aber was viele bei der Frage, wie Social Media eingesetzt werden kann, vergessen ist, das die Lösung oft näher liegt als man glaubt: Ich meine dabei die Mitarbeiter. Und damit ist nicht das Einsetzen der selbigen zur Pflege der Accounts gemeint, sondern jedes eigene kleine und große Netzwerk rund um den eigenen Mitarbeiter selbst. Würden sich Geschäftsführer einmal umsehen, würden sie vermutlich überrascht sein, wie viele bereits auf XING vertreten sind und dort einige Kontakte haben, manche auch auf LinkedIn und wieder andere auf Twitter, Facebook oder schreiben gar ein eigenes Blog. Hier überall sind Netzwerke bereits vorhanden! Und wenn dem nicht so ist, dann sollten Mitarbeiter dazu ermutigt werden, sich Netzwerke aufzubauen. Meine Vision wäre: Keine gesperrten YouTube-, Twitter- oder Facebook-Seiten mehr. Keine Strafen darüber, wenn der Mitarbeiter seine Zeit dafür verwendet, sein Netzwerk zu pflegen und aufzubauen. Ganz im Gegenteil: Hier sollte meiner Meinung nach von ganz oben Unterstützung gegeben werden, es sollte gar dazu aufgerufen werden, dass man sich als Mitarbeiter der eigenen Firma im Social Web beteiligt. Denn jeder einzelne von ihnen hat das Potential ein Sprachrohr nach außen zu sein. Menschen wollen kommunizieren. Mitarbeiter die kommunizieren und dadurch besser informiert sind, sind zufriedener. Zufriedene Mitarbeiter stehen hinter ihrem Unternehmen und wenn die Mitarbeiter dies tun, werden diese auch oft positiv über das Unternehmen berichten. Ein stolzer Mitarbeiter wird twittern, dass "seine" Firme ein neues tolles Produkt auf den Markt gebracht hat. Sie werden auf XING im Status schreiben, dass sie sich über einen neuen großen Auftrag freuen, sie werden die Produkt-Ankündigung auf Facebook stolz an ihre Freunde verteilen. Wo also liegt der Schlüssel um mit den Stäbchen die Suppe essen zu können? Auch hier liegt die Lösung näher als man vorerst denkt. Denn manchmal muss man zuerst darüber nachdenken, welche Möglichkeiten bereits vorhanden sind, bevor das Werkzeug genutzt werden kann. Im Fall für die Nutzung von Social Media für ein Unternehmen bedeutet dies: Eigene Mitarbeiter aktivieren, dann erst das Werkzeug einsetzen. Heutzutage kann sich kein Unternehmen mehr leisten unzufriedene Mitarbeiter zu beschäftigen. Ein unzufriedener Mitarbeiter muss natürlich nicht zwangsläufig mit unrühmlichen Postings das Unternehmen in ein schlechtes Licht rücken, doch ein zufriedener Mitarbeiter kann sehr viel Glanz in die verstaubte Ecke bringen. Das bedeutet daher wie so oft: Über den Tellerand schauen und umdenken. Und wie kann ich nun mit dem exotischen Besteck die Suppe essen? Wie wär´s erstmal mit beiden Händen die Schale ansetzen und die Suppe trinken, dann anschließend mit den Stäbchen die leckeren Zutaten herausfischen und genießen. Eigentlich doch ganz naheliegend, oder?